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Ford GT90: Stealth Fighter
17.10.2004
Dreiecke sind das beherrschende Design-Motiv des Ford GT90: Bis hinunter zur Ölwanne und zum Auspuffrohr ist alles in konsequenter Weise dieser geometrischen Form unterworfen. Trotzdem ist nicht zu übersehen, dass die grundlegende Inspiration vom legendären Ford GT40 kommt. Die Geschichte dieses erfolgreichen Rennwagens ist bekannt: Nachdem Henry Ford II 1963 Ferrari kaufen wollte und vom Commendatore brüskiert wurde, beschloß er die Italiener da zu schlagen, wo es wehtut: auf der Rennstrecke. Resultat war der legendäre Dreifacherfolg in Le Mans im Jahr 1966 drei weitere Siege folgten in den nächsten drei Jahren. Entwickelt wurde der GT90 zu einer Zeit, da Ford an einem Scheideweg stand: Das zeitgenössische Design hatte 1995 Zenith überschritten und neue, überraschende Lösungen waren gefragt.
Das Layout des GT 90 reflektiert zwar die Erfolge der sechziger Jahre, die Formen aber entspringen dem Geist der Neunziger. Vor allem der Stealth Fighter F-117A, unsichtbar für gegnerisches Radar und radikal neu in der Form, übte einen unbestreitbar grossen Einfluß auf die Gestaltung aus. Die weiße Karosserie besteht aus Glasfaserverbundmaterial und baut auf einer Struktur von verstärktem Aluminium auf, der ausahrbare Heckspoiler liegt wie ein Schild über dem Dreieck, dass die Auspuffrohre aufnimmt. Im blau ausgeschlagenen Innenraum durchzieht ein offenes Schaltgestänge, die schwarze Mittelkonsole variiert das Dreiecksmotiv, das Dampfrad des Turboladers sieht aus wie ein Equalizer und die metallgefassten Instrumente werden durch einen knappen blauen Schirm abgedeckt. Polierte Aluminium-Pedale steuern ihren Teil zum "bio-kinetischen Aussehen", so der damalige Ford-Designchef Jack Telnack, bei.
Falls dies zutreffend sein sollte, dann ist die Maschine des GT 90 "Superkinetisch". Diese ist aus einem Serienaggregat abgeleitet: Zwei V-8-Motoren, die Mitte der Neunziger im Lincoln Mark VIII verwendet wurden, schnitt man zwei Zylinder ab einen am vorderen und den anderen am hinteren Ende. Diese wurden dann zu einem 6-Liter V-12 zusammengefügt, der mit vier Turboladern unter Druck gesetzt wurde. 720 PS bei 6.600 U/min, durch das Drehen am Damprad standen zeitweise bis zu 900 PS zur Verfügung, katapultieren den Mittelmotorrenner in 3,1 Sekunden auf 100 km/h. Schluss mit dem Vortrieb ist erst bei ca. 380 km/h. Zeitweise spielte Ford mit dem Gedanken, eine Kleinserie von hundert Exemplaren aufzulegen, die dann etwa 100.000 $ gekosten hätten. Dazu kam es nie, aber die Nachkommen des ersten "New Edge"-Designs bevölkern unsere Strassen: Der Ford Focus und der Ford Ka.
(Text: Rainer Roßbach )
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