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Retromobile 2004: Bon goût
16.02.2004
Anfang Februar, wenn die Entzugserscheinungen am größten sind, eröffnet die Retromobile traditionell die Oldtimer-Saison. Das Motto dieses Jahres lautete: Reisen und Abenteuer. Da es sich um eine eher kleine Veranstaltung handelt, stellt sich immer wieder die Frage, ob die weite Anreise nach Paris lohnt. Wie gewohnt, dominieren die französischen Hersteller die Ausstellung, Peugeot, Citroën und Renault traten mit großen Ständen auf und zeigen Schmuckstücke aus ihren Sammlungen. Dabei wurde auf sehr verschiedene Art Bezug auf das Austellungsmotto genommen. Citroën schlug einen Bogen von den legendären Expeditionen der Dreissiger bis zu aktuellen Marketingaktionen mit dem Berlingo. Schon 1922, drei Jahre nach der Firmengründung, hatte man mit einer ersten Sahara-Expedition versucht, die Qualität der Produkte mit einer spektakulären Aktion bekannt zu machen. Der Erfolg dieses Unternehmens führte 1924 zur Afrika-Durchquerung "Croisière Noire" und 1931 zur Asien-Durchquerung "Croisière Jaune", bei der die legendäre Seidenstrasse mit Halbkettenfahrzeuge für Motorfahrzeuge erschlossen werden sollte. Sowohl die Citroën-Kégresse-Raupen aus auch die Citroën-B2-Raupenfahrzeuge der ersten beiden Expeditionen wurden ausgestellt. Die Nachkriegszeit vertraten ein 2CV Sahara, ein Mehari sowie Rallye-Fahrzeuge auf DS, GS und SM-Basis. Höhepunkt der Citroën-Präsenz 2004 war der 15 Six D "MR" von Marius Rernard, 1951 in einer Auflage von nur drei Exemplaren gebaut. Renault nahm das Thema Reise zum Anlass, über den Tellerrand der Automobilproduktion hinauszuschauen und zeigte zusätzlich Modelle von Eisenbahnen, Transportschiffen und ein radloses "Zukunftsfahrzeug". Mit dem Viva Grand Sport Cabriolet von 1935 und dem 4CV Vernet-Pairard von 1954 stellte man zwei außergewöhnliche Modelle der Marke in den Mittelpunkt. Der 4CV ist eine Sportversion des "Cremeschnittchens". Ein erstes Coupe startete beim 24h-Rennen in Le Mans und kam, bedingt durch aerodynamische Defizite im Dachbereich, nur im Hinterfeld an. Das Dach wurde daher flacher gestaltet, was auch der Optik des Fahrzeugs zugute kam. Vier dieser Fahrzeuge wurden gebaut, drei mit Rohrrahmen der auf der Retromobile gezeigte ist der einzige, der auf der Bodengruppe des 4CV aufbaut. Von den ausländischen Herstellern waren nur Mercedes-Benz und BMW, wie schon in den Jahren zuvor, präsent. Mercedes nutzte die Veranstaltung wieder einmal, um den aktuellen SLR McLaren zusammen mit seinen historischen Bezug, dem 300 SLR "Uhlenhaut-Coupé" zu zeigen. BMW präsentierte neben dem aktuellen 6er eine Auswahl seiner Coupé-Geschichte.
Neben der Präsenz der aktuellen Hersteller ist für einen deutschen Besucher der Blick auf die reiche französische Automobiltradition mit all den großen, inzwischen verschwundenen Marken, besonders interessant. Der Besuch der Retromobile macht einem immer wieder bewusst, was in der französischen Automobiltradition durch die Konzentration auf PSA und Renault verloren gegangen ist. Leider waren in diesem Jahr die seltenen Stücke französischer Hersteller eher Mangelware, aber es waren doch mehr Hotchkiss, Delage, Delahaye und Panhard zu sehen, als bei allen deutschen Veranstaltungen dieser Art. Die meisten Autos gab es an Stand von Christies zu sehen. Während in Essen oder auch beim Oldtimer-GP die Versteigerer nur interessierten Käufern den Blick auf die zum Verkauf stehenden Autos erlaubt, und dafür auch noch ein üppiges Eintrittsgeld erwartet, als Kaufpreis für den Katalog getarnt, waren hier alle Fahrzeuge für alle Besucher zu sehen. In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Stände mit Modellautos verdoppelt. Auswahl und Preis der angebotenen Modelle sind hoch, dazu kommt ein üppiges Angebot automobiler Kunst in wechselnder Qualität. Leider verschiebt sich dadurch der Schwerpunkt der Veranstaltung immer mehr weg von Auto und hin zu den Assessoires. Die Messe ist in einem Tag gut zu bewältigen, und dabei bleibt noch genug Zeit, sich Details zu widmen. Unterkünfte in der Nähe des Messegeländes zu finden, ist kein Problem, und die Anreise durch Burgund oder durch die Champagne hat ihre Reize. Wer ohne Stress und Parkplatzsorgen nach Paris kommen möchte, kann auch von Köln aus direkt mit dem Thalys anreisen.
(Text: Dietr Roßbach )
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