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Kruisherenhotel Maastricht: Klosterleben im Luxus
21.10.2005
Ein alter Klosterkomplex mit gotischer Kirche mitten in einer der ältesten Städte eines Landes ist seit 20 Jahren ungenutzt und dem Verfall preisgegeben. Dann kommt ein Hotelier mit einer Vision und verwandelt die Gebäude in ein Luxushotel der besonderen Art. Was bei uns kaum vorzustellen ist und wohl am Denkmalschutz scheitern würde, wurde in Maastricht realisiert: Im April 2005 öffnete das Kruisherenhotel seine Pforten. 1438 gründete der Orden vom Heiligen Kreuz ein Kloster mit Kirche in Maastricht. Die Säkularisierung im Zuge der französischen Revolution brachte die eine oder andere Nutzungsänderung mit sich, mal diente die Anlage nun als Kaserne, mal als Munitionsdepot, was nicht ohne Folgen für die alten Gemäuer blieb. Anfang des vergangenen Jahrhunderts nahmen sich Jonkheer Victor de Stuers und Architekt Cuypers des Gebäudekomplexes an, der sich in einem ausgesprochen schlechten Zustand befand. Nach einer gründlichen Restaurierung wurde das Objekt bis 1981 als staatliche landwirtschaftliche Versuchsanstalt genutzt, seither standen die Gebäude im Herzen der Stadt leer. Dann stieß Camille Osstwegel, der in der Region Limburg eine Kette von Nobelhotels in historischen Gebäuden betreibt, auf die Anlage. Es dauerte noch drei Jahre, bis am 8. Dezember 2003 der erste Stein zur Restaurierung und Neugestaltung des Kruisheren-Klosterkomplexes gelegt werden konnte.
Während viele konvertierte Sakralgebäude kaum mehr als ihre Fassade in die neue Nutzung retten können, wurde hier versucht, ein Designhotel zu erstellen, das eine besondere Symbiose mit den alten Formen und Farben eingeht. Herz der Hotelanlage ist die alte Kirche. Ihr Schiff blieb als große offene Halle erhalten, Restaurant, Bar und Rezeption wurden wie moderne Regale in den freien Raum gestellt. In die Seitenkapellen wurden Lounge Corners installiert, die Bar steht in der Apsis an Stelle des Altars, ihren Halbkreis füllt eine rote Polstergruppe in Form eines Chorgestühls. Der Weinkeller des Hauses ist eine große Glasinstallation, die die Rückwand der Bar bildet und hunderte Weinflaschen kunstvoll arrangiert. Beim Frühstück oder Abendessen geht der Blick zu den gotischen Deckengewölben und zu den großen bunten Fenstern, die die Sicht auf Maastricht öffnen. Abends tauchen Lichtobjekte des deutschen Lichtkünstlers Ingo Maurer das Kirchenschiff und den Innenhof in warme Farben. Auch die Zimmer gehen behutsam mit der alten Architektur um. Die moderne Wohntechnik scheint mobil installiert zu sein, man kann sich vorstellen, daß jedes der Zimmer in wenigen Stunden demontiert werden kann und die alten Mönchszellen wieder zum Vorschein kommen. Trotzdem genügt alles den Ansprüchen eines 5-Sterne-Hotels, und die Gestaltung der Zimmer unterscheidet sich wohltuend von der Einheitsarchitektur aktueller Luxushotels. Große Glas- und Holzflächen kontrastieren mit den alten Mauern, weiße Flächen wechseln sich mit wandgroßen Gemälde-Reproduktionen ab. Möbel von Le Corbusier, Marc Nemson, Piet Heyn Eeck, Philippe Starck und Roderick Vos lassen die Zimmer wie kleine persönliche Apartments wirken.
Das Hotel liegt zentral, nur wenige Minuten von den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, an einem ruhigen Platz, einen Parkplatz findet man im benachbarten Parkhaus. Kruisherenhotel MaastrichtKruisherengang 19-23 NL 6211 NW Maastricht Tel +41 (0)43 3292020
(Text: Dieter Roßbach )
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