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Retromobile 2006:Tour de France
20.02.2006
Auch die einunddreißigste Ausgabe der Retromobile setzte wieder ein erstes Glanzlicht an den Anfang des Jahres. Das Motto der diesjährigen Ausgabe "Vedettes la publicité" (Werbefahrzeuge) ließ auf einige Kuriositäten hoffen und der Besucher wurde nicht enttäuscht. Eine kleine Sonderausstellung präsentierte einige Beispiele des Werbezirkus, der alljährlich der Tour de France vorausgeschickt wird. Diese Form der Werbung hat eine lange Tradition. Seit 1929 plagt man die Zuschauer damit, aber ab und zu sind auch ausgesprochen witzige oder beeindruckende Sonderkonstruktionen darunter. Der "Nain Gourmonde" von 1956, auf ein Lastwagenchassis von Renault aufbauend, hat etwas von einem Teilnehmer am Kölner Rosenmontagszug, Michelins Airbus-Fahrgestell von 1998 montiertem Space-Shuttle-Modell dokumentiert den hohen professionellen Standard der aktuellen Fahrzeuge, irgendwo dazwischen fährt die rollende Propangasflasche auf Simca-1000-Basis. Natürlich haben auch die Markenclubs das Motto dankbar aufgenommen und eigene Rekonstruktionen historischer Werbefahrzeuge geschaffen.
Das zentrale Jubiläum dieses Jahres war der sechzigste Geburtstag der Renault 4CV. In bekannt aufwändiger Art präsentierte die Regie Nationale nicht nur Prototypen und Serienmodelle, sondern schaffte alles heran, was das hauseigene Archiv und was Sammler an Sondermodellen und Kuriositäten zu bieten hatten. Der 4CV hat für Frankreich eine dem Käfer in Deutschland vergleichbare Bedeutung. Er symbolisiert den Beginn der Nachkriegszeit. Mit rund 3600mm Länge ist er klein genug, um preiswert gefertigt und wirtschaftlich genutzt zu werden, mit 4 Sitzplätzen und 4 Türen bietet er ausreichend Transportkapazität. Und wie der VW Käfer wird er schnell als Plattform für kleine Sonderserien und Sportwagen genutzt, die eine erste Andeutung von Luxus sind und im Falle des Alpine A106 Begründer einer erfolgreichen Palette von Sportwagen wird. Neben diesem bekannten Beispiel zeigte Renault ein wunderschönes Coupé von Brissonneau et Lotz, die später für Opel den GT fertigen werden. Ein ganz besonderes Exemplar unter den 10 Exponaten ist der in Japan von Hino in Lizenz gefertigte 4CV. Auch der Nachfolger des 4CV feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag: Die Dauphin wird fünfzig Jahre alt. Von den deutschen Herstellern sind nur BMW und Mercedes-Benz mit einem eigenen Stand vertreten. BMW feiert 40 Jahre "02"-Serie, Mercedes-Benz ehrte Rudolf Diesel mit dem 260D von 1935 und dem Weltrekordfahrzeug C111/IV von 1976, dessen Erfolg sich dieses Jahr zum dreißigsten Male jährt.
Weitere Höhepunkte waren Jackie Stewarts Matra MS80, mit dem er 1969 Formel-1-Weltmeister wurde, einige DB-Sportwagen, und ein extrem seltener Pickup von Panhard. Zwei Fahrzeuge dokumentieren die besondere Klasse der Fahrzeuge: Der Delage D8 120S, das persönliche Fahrzeug von Lousis Delage, Ausstellungsstück des Salon de L’Auto von 1937, wurde von Georges Paulin entworfen, die Karosserie baute Pourtout. Der Bugatti 57 mit Gangolf-Coupé-Aufbau direkt nebenan dagegen ist nicht original: Der gezeigte Wagen baut auf einem Entwurf aus den Dreißiger Jahren auf, der nicht realisiert wurde. Gleich zwei Turbinenfahrzeuge waren zu sehen, Renaults Rekordfahrzeug "Etoile Filante, das zur Zeit zum Verkauf steht, und ein wunderschöner Howmet TX von 1968, der von einer Zeit im Rennsport zeugt, als das Reglement noch Experimente erlaubte.
Die Retromobile ist exklusiv und hochpreisig. Krabbeltische mit Schnäppchen-Chancen gibt es nicht. Die Teile sind rar, das Angebot exklusiv und teuer. Selbst bei den Buch- und Modellhändlern dominiert der Luxus. Der Reigen reicht von unglaublich detailreichen und filigranen Rennfahrzeugen in 1:43 bis hin wird zu einem wunderschönen Bugatti-Motor in 1:8, dem man zutraut, lauffähig zu sein. Das Angebot an echten Fahrzeugen steht dem nicht nach. Blickfang ist der Porsche 917K in den Porsche-Austria-Farben von 1970, den Lukas Hüni anbietet. Die Retromobile ist klein und überschaubar, ein Tag reicht aus, um alles zu sehen und frankophil sollte man auch sein, um sie wirklich geniessen zu können, aber die Exponate waren wie gewohnt von besonderer Qualität.
(Text: Dieter Roßbach )
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