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Techno Classica 2006: Museum auf Zeit
08.04.2006 Die Techno Classica präsentiert sich dieses Jahr so attraktiv wie nie. Die Messe verändert sich: Mehr hochwertige Klassiker, eine intensivere Präsenz der Hersteller sowie eine deutliche Verschiebung des Angebots in Richtung Qualität machen den Messebesuch zu einer echten Entdeckungsreise. Ob Mercedes 540 K Spezialroadster, Porsche 917 oder Maserati "Breadvan" jede Halle bietet Außergewöhnliches. Porsche, Bosch, Jaguar und viele andere Marken zeigen Flagge und demonstrieren Verbundenheit mit der eigenen Geschichte. Kein Wunder angesichts eines geschätzten Umsatzvolumens von fünf Milliarden Euro, das mit dem rostigen Hobby bewegt wird. BMW belegt traditionell die komplette Halle 12. Die weiß-blaue Marke präsentiert Roadster und Coupes aus 75 Jahren. Vom Vorkriegs-327 über den 503 bis zum aktuellem Sechser, vom Wartburg Sport bis zum neuesten M Roadster zeigen die Bayern alles, was sinnlich macht. Auch die anderen Konzernmarken Mini und Rolls Royce bieten Interessantes. So ist etwa der Mini Wildgoose ein Wohnmobil im Westentaschen-Format besonders amüsant. Sportgeschichte hat der BMW F1 2000 geschrieben. Mit diesem Monoposto einer Kombination aus Brabham BT 7-Chassis und dem legendären Apfelbeck-Motor probten die Münchener 1966 den Einstieg in den Formelsport. Nachkriegsrenntechnik der besonderen Art zeigt das EMW-Chassis aus dem Eisenacher Automuseum. Auf der Basis des legendären BMW 328 entwickelte das Rennsportkollektiv Johannisthal in der DDR schnelle Rennsportwagen, die lange den Porsche 550 RS Paroli boten. Gut einen Monat vor seiner offiziellen Eröffnung ist bei Mercedes-Benz das neue Museum zentrales Thema auf der Techno Classica. Unter dem Motto "Willkommen beim Erfinder des Automobils" dokumentieren die Schwaben auf dem Messegelände Essen die Bedeutung des neuen Museums für die Traditionspflege der Marke. Zentrales Fahrzeugexponat ist der originale Patent-Motorwagen aus dem Jahr 1886, den Karl Benz 1906 persönlich dem Deutschen Museum in München schenkte. Es ist das erste Mal, dass das Deutsche Museum das Fahrzeug ausleiht exakt 100 Jahre nach der Übergabe und 120 Jahre nach der Erfindung des Automobils durch Karl Benz und Gottlieb Daimler. Ein Fahrzeug aus der Zukunft ist das Konzeptfahrzeug "Bionic Car" aus dem Jahr 2005. Es hat aufgrund seiner charakteristischen Karosserieform, die dem tropischen Kofferfischs nachempfunden ist, eine besonders gute Aerodynamik. Kombiniert mit besonders sauberer Dieseltechnologie lassen sich herausragende Verbrauchswerte erzielen. Mit dem Bionic Car kann der Besucher einen Blick in die Zukunft des Automobils werfen.
Bei Citroën steht die Dieseltradition der Marke im Mittelpunkt. Der älteste Citroën-Pkw mit Dieselmotor demonstriert mehr als siebzig Jahre Kontinuität in Sachen Selbstzünder. Schon im Dezember 1932 hatte man eine Vereinbarung mit der englischen Ingenieurs-Firma Ricardo getroffen, um deren Patente des Wirbelkammer-Einspritzverfahrens nutzen zu können. Auf Basis des "Comet"-Zylinderkopfes und bestehender Benzinmotoren entstanden im Jahr darauf die ersten Citroën-Dieselmotoren, und schon 1934 wurde ein fahrfähiger Prototyp eines Citroën "Rosalie"-Personenwagens den Behörden zur Zulassung vorgeführt. Eine Vorserie von mehreren Dutzend Fahrzeugen entstand 1935 und bewährte sich in der Alltagserprobung: lediglich die Finanzkrise von Automobiles Citroën, das 1935 von Michelin übernommen wurde, verhinderte die dauerhafte Serienfertigung. VW feiert 30 Jahre Golf GTI. Zu sehen sind unter anderem der Deutsche Rallye-Meister von 1981 und der 652 PS starke, von zwei Motoren angetriebene, „Pikes Peak“ von 1987. Und auch die Fans haben ihren Platz. So sind Gewinnerfahrzeuge eines von Volkswagen und dem Magazin VW-Scene International ausgeschriebenen Wettbewerbs mit auf dem Volkswagenstand vertreten: Aus Belgien kommt ein im Originalzustand belassener Vertreter der ersten Generation von 1977, aus Österreich findet ein Golf GTI der vierten Generation, ausgestattet mit Flügeltüren, seinen Weg nach Essen und aus Deutschland ist ein Rallye-Golf von 1990, mit einem auf 260 PS leistungsgesteigerten Motor, dabei. Opel inszeniert anläßlich der Vorstellung des neuen Roadsters die Wiedergeburt des Namen "GT". Schon 1965 präsentierte Opel die Studie des GT Experimental auf der IAA. Ein Jahr später entschieden sich die Verantwortlichen, den GT in Serie gehen zu lassen. Auf der Techno Classica zeigt Opel alle Spielarten dieser Siebziger-Jahre-Ikone. Der Experimental-GT ist ebenso dabei wie die Studie des GT Aero, eine offene Version mit Targa-Dach. Ein weiteres Unikat ist der zu Versuchszwecken umgebaute GT mit Dieselmotor, der 1972 auf der Opel-Teststrecke in Dudenhofen zahlreiche Rekorde aufstellte. Auch der Elektro-GT ist ein Einzelstück, mit dem Georg von Opel 1971 Rekorde errang. Lediglich der GT 2 fehlt. Alfa Romeo nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise durch mehr als 70 Jahre Coupé-Historie. Die Mailänder Marke präsentiert erstmals auf einem eigenen Techno Classica-Stand die faszinierenden Coupés der Vergangenheit. Im Zentrum steht der Alfa Romeo 8C 2900 B Speciale „Le Mans“ von 1938, der wie viele andere Ausstellungsstücke aus der Sammlung des Alfa Romeo Centro Storico in Arese stammt. Audi zeigt verschiedene Horch-Modelle, einen Wanderer Stromlinien Spezial sowie einen Grand Prix-Wagen der Auto Union vom Typ C aus dem Jahr 1936. Während die Oldtimer-Clubs mit originellen Ständen unterhalten möchte, gehört die Klassiker-Messe für Käufer zum Pflichtprogramm. Selten war die Techno Classica so stark in den Angeboten wie dieses Jahr. Viele außergewöhnliche und seltene Fahrzeuge werden offeriert und gekauft. Schon am ersten Tag wechselte ein Porsche Carrera GT für 409.000 Euro den Besitzer, aber auch für schmalere Geldbeutel ist das Angebot verlockend. Insgesamt stehen mehr als 2000 Klassiker und Youngtimer zur Auswahl und machen die Essener Veranstaltung zur ersten Adresse, wenn es um den Kauf eines Klassikers geht.
(Text: Rainer Roßbach )
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