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Retromobile: La femme et la voiture
23.02.2008
Die herausragende Neuerung der 33. Ausgabe der Retromobile war der Umzug aus dem Hinterhof der Pariser Messehallen in die Hallen 4 und 3.1. Näher am Eingang und damit deutlich präsenter. Die Überschrift dieses Jahres lautete "Die Frau und das Auto". Wer allerdings historische Einparkhilfen oder eine Übersicht über die Entwicklung des Schminkspiegels in 100 Jahren Autogeschichte erwartete, wurde bitter enttäuscht. Es war eine Retromobile, wie man sie gewohnt ist, mit französischen Autos als Schwerpunkt und einer Reihe von Schmuckstücken aus dem Rest der Weit, für die alleine sich die Anreise schon gelohnt hätte. Nur Frauen und frauenbezogene Themen waren, wie in jedem Jahr, rar. Mercedes-Benz zeigte die Replika des Dreirads, mit dem Berta Benz und ihre Söhne 1988 den langen Weg von Mannheim nach Pforzheim gefahren waren, und natürlich wurde auch Mercedes Jellink gedacht, die der Marke ihren Namen gab. Immerhin, das Auto ist in Frankreich weiblich, und von daher brauchte es keiner weiteren Anstrengung, um das Motto der Veranstaltung zu rechtfertigen. <
Wie in jedem Jahr waren auch in diesem einige Jubiläen Anlaß für Sonderausstellungen. Citroën feiert 60 Jahre 2CV. Das alleine hätte leicht für eine eigene Ausstellung gereicht, wenn man die Aktivitäten der europäischen Entengemeinde kennt. Allein, der Hersteller beließ es bei einer überschaubaren und unvollständigen Ansammlung von Fahrzeugen, die allerdings von besonderer Qualität waren. Der Delahaye-Club feierte den Doppelsieg der Marke in Le Mans vor siebzig Jahren, und BMW erinnerte mit einem M1 in Renntrimm und einem M3 an 30 Jahre Motorsport GmbH. Honda ist erst 60 Jahre alt, und hat schon drei Jahre nach Aufnahme der PKW-Produktion in der Formel 1 den ersten Sieg eingefahren. Der Honda-Stand dokumentierte die ganze Breite der Produktion, vom Motorrad, repräsentiert von einer CB750, über die Automobil-Linie bis hin zu motorgetriebenen Hilfsgeräten mit einem historischen Notstromaggregat. Alfa Romeo bot ganz besondere Überraschungen. Waren in den letzten Jahren Stilstudien und Rennsport-Ikonen der Blickfänger, präsentiert man 2008 Fahrzeuge, die sich erst auf den zweiten Blick als außergewöhnliche Einzelstücke offenbarten. Sowohl der ausgestellte Zagato Junior Periscopio als auch der Alfasud Sprint 6C sind Mittelmotorfahrzeuge. Der Alfasud stellt dabei die radikalste Abkehr vom Ursprungsfahrzeug dar. Statt eines Vierzylinder-Boxermotors, der die Vorderräder antreibt, ist der 2,5l-V6 der Alfetta GTV hinter den Vordersitzen montiert, und er treibt natürlich die Hinterräder an. Für die Außenhaut wählte Autodelta Kunststoff. Mit einem Kampfgewicht von rund 990 kg wäre der kleine Sportler eine gute Basis für ein geplantes Gruppe-B-Auto gewesen, das kurzfristige Aus der Gruppe B beendete das Experiment.
Jean-Pierre Foucault ist so etwas wie der Jay Leno Frankreichs, ein populärer Fernsehmoderator mit Leidenschaft für Autos. In einer Sonderausstellung präsentierte die Retromobile die Fahrzeugsammlung des TV-Stars, eine liebevolle Zusammenstellung französischer Alltagsautos vom Cremeschnittchen und Panhard Dyna über Simca 1000 bis hin zu Renault Floride und Peugeot 403. Viottis Lancia Aurelia B23 Gardinetta verbindet Italien mit Amerika. Eine Kombikarosserie mit vielen Holzapplikationen erinnert an den typischen gehobenen amerikanischen Reisekombi jener Zeit. Von den rund fünf Fahrzeugen, die 1952 entstanden, haben nur zwei überlebt. Das gezeigte Modell ist vor einigen Jahren in Sizilien aufgetaucht und wurde mit viel Aufwand restauriert. Das haben der Courtin & Descous Feuerwehrwagen, den Bonhams anbot, ein Stanguellini in ungewohnter blauer Farbe und das Facel Vega FV2 Cabriolet, den Osenat anbot, wohl noch vor sich. Dieses Facel war Ausstellungsfahrzeug des Pariser Salon 1955 und wurde 1856 auf Andrée, die Frau des Facel-Gründers Jean Daninos zugelassen. Auch der weitere Weg des Fahrzeugs, das in 50 Jahren nur etwa 40.000km zurückgelegt hat, ist lückenlos belegt. Alles am FV2 Cabriolet ist Original, von der Innenausstattung bis zum Lack. Für Rennsportfreunde war der Ferrari 212 E Montagna, mit dem Peter Shetty gegen die Konkurrenz von Porsche und Abarth 1969 die Europabergmeisterschaft gewinnen konnte, der Glanzpunkt der Veranstaltung.
(Text: Dieter Roßbach ) |
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