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Retromobile 2009: Alte Werte
18.02.2009
Nach einem einjährigen Intermezzo in anderen Hallen kehrte die 34. Ausgabe der Retromobile wieder an ihren angestammten Platz zurück, und damit auch zu den Qualitäten, die im vergangenen Jahr etwas verloren gegangen waren. Das Motto der 2009er Ausgabe trug dem Zeitgeist Rechnung: Alternative Antriebskonzepte in den letzten 100 Jahren waren der Aufmacher auf dem Plakat und Thema der zentralen Ausstellung. Neben einer Replika des Rekordwagens von Camille Jenatzy, der elektrisch angetrieben 1899 den absoluten Geschwindigkeitsweltrekord auf über die 100km/h-Grenze hob, wurde eine große Bandbreite exotischer Originale gezeigt. Während heute die Elektrizität als Königsweg der zukünftigen Mobilität gesehen wird, war man früher experimentierfreudiger. Natürlich war die Mehrzahl der ausgestellten Fahrzeuge mit Batterien und Elektromotoren ausgestattet, zum Beispiel ein Peugeot VLV, der die französischen Briefträger ab 1941 motorisierte, darüber hinaus fertigten einige Autohersteller Dampffahrzeuge in Serie und die Straßenbahn in Nantes lief mit Pressluft.
Mercedes war wieder gut vertreten: Das Werk zeigte den Tripolis-Rennwagen W165 von 1939, Theisen bot zwei Mercedes Roadster mit Saochik-Aufbau in perfektem Zustand an, und Hall&Hall präsentierten einen 300SL von 1952 mit auf dem Dach montierter Luftbremse. Auf dem gleichen Stand war weitere seltene Rennsporttechnik zu sehen: ein Porsche 604 Formel-1, der seit seinem Verkauf 1964 in einer Hand war und im unrestaurierten Originalzustand ausgestellt wurde, ein McLaren M7A und der Rob-Walker-Lotus, mit dem Stirling Moss die Grand-Prixs von Deutschland und Monaco gewann. Zum ersten Mal überhaupt war Volkswagen mit einem eigenen Stand vertreten und präsentierte sechs Generationen Golf, davon zwei ganz besondere Modelle; einen GTI der ersten Serie und als Vertreter des Golf II ein G60, der als Homologationsfahrzeug für den Rallyesport mit Allradantrieb und Kotflügelverbreiterungen ausgestattet wurde.
Unter den französischen Herstellern glänzte Renault wieder einmal durch Abwesenheit, während die Stände von Citroën, wo man den neunzigsten Geburtstag der Marke feierte und Peugeot, getragen von den engagierten Markenclubs, wieder mit interessanten Exponaten aufwarten. Ein ganz besonderes Exemplar hatte der Dal'Mart-Club ausgestellt. Die 203-Variante des Pariser Peugeot-Händlers wurde tief greifend, aber auch handwerklich hochwertig verändert: niedrigeres Dach, zusätzliche Chromapplikationen, tiefergelegtes Fahrwerk, Breitreifen – Änderungen, die nur im direkten Vergleich mit der Originallimousine gut zu erkennen waren – Tuning mit Stil. Hotchkiss, Delahaye und Talbots, Berliet mit einem wunderschönen Lastwagen aus der Anfangszeit der Marke, George Irats Prototyp von 1950, mit dem der Sportwagenbauer vergeblich einen Neuanfang nach dem Krieg versuchte, eine ganze Reihe von Hispano-Suiza: Die Palette der Autos, die man bei Veranstaltungen in Deutschland selten zu sehen bekommt, war wieder lang.
Nur die französische Renntechnik war im Vergleich zu den Vorjahren spärlich vertreten: ein Matra 630, einige DB, ein verbastelter Matra Djet. Italien bot weitaus mehr: Ferrari 512S, Alfa 33/2, und Lancia D24, dazu zeigte die Lancia Collection einen Dilambda-Spider mit unbekanntem Aufbau. Trotz der Finanzkrise gibt es immer noch Leute mit Geld, die Verkäufe auf der Bonhams-Auktion deuten jedenfalls nicht auf einen radikalen Preisverfall hin. Der Höhepunkt der Versteigerung war der Bugatti-Scheunenfund, der für 3,4 Millionen Euro verkauft wurde. Auch die wunderschönen Chapron-Citroëns fanden solvente Käufer: Eine DS-Limousine mit Stufenheck brachte 86.000 Euro ein, der viertürige SM 194.000 Euro und ein Vosin Biscúter 29.000 Euro, ein stolzer Preis für ein Kleinstfahrzeug mit 125cc Gnome et Rhône-Zweitaktmotor, auch wenn es der private Prototyp von Gabriel Voisin ist.
(Text: Dieter Roßbach )
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