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Land Rover DC100 Sport: Defender reloaded
22.09.2011
Der DC100 Sport lehnt sich in Form und Auslegung an die ganz frühen Land Rover-Modelle mit Faltdach und klappbarer Frontscheibe an. Denn die Frage ist, da das Produktionsende des Defender naht, wie dessen urwüchsigem Charakter eine Zukunft gegeben werden kann. Für den DC100 Sport heißt das, dass er eine eine Panorama-Frontscheibe und abnehmbare Seitenfenster erhält, um maximal geöffnet werden zu können. Hinter den Sitzen schwingt die Linie des Fließheck-Dach nach unten, welches eine geräumige Ladefläche überdeckt, die auch große Sportgeräte und Dinge aufnehmen kann. In der vorderen Sitzreihe befinden sich drei nebeneinander angeordnete Plätzen, wodurch die Flexibilität im Innenraums verbessert wird. So lässt sich mithilfe eines klappbaren Beifahrersitzes die Ladekapazität schnell vergrößern. Zudem verbirgt sich unter dem mittleren Frontplatz ein geräumiges Ablagefach, während davor eine Aluminiumschale Induktionsladevorrichtungen für elektronische Geräte enthält. Eine Reminiszenz an den Ur-Landy ist die Platzierung der zentralen Instrumenteneinheit oberhalb des Schalthebels. Allerdings besitzt dieses eine Touchscreen-Oberfläche und die Einheit ist mit moderner Telematik gekoppelt. Auch kann man den Touchscreen ab- und mitnehmen: mit einem stoß- und wasserfesten Silikongehäuse versehen, verfügt die Einheit über eine eigene Stromversorgung, eine interne Festplatte, eine Kamera und einen Satellitenempfänger. So ist der Touchscreen ein mobiles Navigationsgerät, das Wegepunkte aufzeichnet, HD-Videos filmt und Bilder schießt. Der Innenraum des DC100 Sport besteht aus einer Mischung von ultramodernen und traditionellen Materialien. Die Sitze etwa sind mit Leder bezogen, ergänzt durch leichte und atmungsaktive Netzeinsätze mit „Tribal Tech“-Muster. Die mit „Ombrae“-Technologie gefertigten Teppiche mit einem dynamischen 3-D-Muster ändern ihr Erscheinungsbild je nach Lichteinfall, Schattenwurf und Betrachtungswinkel. Entsprechend den Eigenschaften moderner Sport- und Funktionsbekleidung bietet die Ausstattung einen Mix aus Hochwertigkeit, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit. Der Querträger im Innenraum, die Türverkleidungen und Sitze sind mit „Ultrafabric“ in „Obsidian Grey“ und „Carbon Black“ bezogen. Bei Ultrafabric ist antimikrobiell, wasserabweisend, atmungsaktiv und beständig gegen Sonnenstrahlen. Zudem ist es leicht und PVC-frei ist und weist nur geringe Anteile flüchtiger organischer Verbindungen. Ein weiteres Material ist „Superfabric“, ein nahezu unzerstörbares Gewebe. Normalerweise wird dieser Stoff für Schutzkleidung in extremer Umgebung eingesetzt – zum Beispiel in Raumanzügen. Im DC100 findet sich Superfabric unter anderem auf den Sitzflächen sowie in den Fuß- und Kofferräumen.
Robustheit und Geländegängigkeit sind auch für den Defender des 21. Jahrhunderts selbstverständlich, bewegen sich aber auf einem neuen technischen Niveau. So arbeitet in der Studie eine Weiterentwicklung der Land Rover-Luftfederung, mit der die Bodenfreiheit bis auf 320 Millimeter erhöht werden kann, um extreme vordere und hintere Böschungswinkel sowie Achsverschränkungen Das „Terrain Response“-System passt sich automatisch an den jeweiligen Untergrund. Dabei bezieht die Steuerung ihre Daten von verschiedenen Sensoren, die beispielsweise Federwege, Lenkwinkel, Radschlupf sowie die Stellungen von Gas- und Bremspedal überwachen. Auf diese Weise wird die Wirkungsweise von Federung und Dämpfung, von Getriebe und Kraftübertragung permanent und unmerklich den Verhältnissen angepasst. Viele elektronische Helfer, wie etwa hochauflösende Frontkameras, überwachen den Sichtbereich vor dem Fahrzeug und unterscheiden automatisch zwischen Sand, Gras, Schlamm, Schotter, Schnee oder Asphalt und können so die Offroad-Parameter des Fahrzeugs entsprechend einstellen. Der „Terrain-i“-Scanner aerzeugt ein virtuelles 3-D-Bild des vor dem Wagen liegenden Untergrunds und zeigt dies auf dem zentralen Touchscreen an. Er warnt den Fahrer, sollte ein Hindernis nicht gefahrlos überwunden werden können. Bei Watvorgängen werden verschiedene Komponenten automatisch entsprechend justiert: Die Bodenfreiheit vergrößert sich, alle Karosserieöffnungen werden verschlossen und ein niedriger Gang einlegt, damit Motordrehzahl und Geschwindigkeit konstant auf dem für die Wassertiefe adäquaten Niveau bleiben. Der DC100 erreicht dank dieser Technologien eine maximale Wattiefe von 750 Millimetern. Als Bereifung kommt ein manuell bedienbares Spikersystem zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein elektromechanisches System, das an der Innenseite der Räder angebracht ist. Auf Knopfdruck strömt dabei Luft in eine zweite Luftkammer. Diese betätigt in die Lauffläche eingegossene Kammern, die die Spikes beherbergen. Der Luftdruck lässt die Spikes aus dem Profil ausfahren, die den Reifen auf Eis und Schnee wesentlich besseren Halt verschaffen. Das Land-Rover-Konzepts wird von einem 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit Start-Stopp-System angetrieben. Die Gangwechsel übernimmt eine Achtstufenautomatik von ZF. Alle Systeme sind auf die künftige Verwendung von Hybridantrieben vorbereitet. Zum Beispiel mit einem Doppelmagnet-Anlassersystem, das den Motor bereits in der Auslaufphase neu startet. Ein Verteilergetriebe stellt eine große Zahl an Gängen bereit, während Schaltwippen am Lenkrad eine manuelle Gangwahl erlauben. Das Torque-Vectoring-System, ein elektronisch wirkendes Differenzial, leitet ein maximales Drehmoment an jene Rädern, die den besten Grip aufweisen. Da aber im Regelfall nur die Vorderräder angetrieben werden, sind Verwindungen im Antriebsstrahl minimal. Erst wenn es die Umstände erfordern, erfolgt die Umschaltung auf Vierradantrieb. Das Land Rover-System arbeitet physikalisch: Es trennt die hintere Antriebswelle vom Mittendifferenzial und erschließt auf diese Weise ein Einsparpotenzial beim Kraftstoff von bis zu sieben Prozent. Sobald das System Traktionsverluste an den Vorderrädern erkennt, schaltet es den Antrieb der Hinterräder wieder zu – in gleicher Geschwindigkeit wie ein elektronisch gesteuertes System.
(Text: Rainer Roßbach )
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